THEATERSTÜCK

Walzer ins Nirgendwo

Inmitten eines Krieges begegnen sich zwei Fremde: ein Großvater, der verzweifelt seine Enkelin sucht, und eine junge schwangere Frau, die keine Zukunft mehr vor sich sieht. Zwischen Angst und Hoffnung beginnen sie, einander zuzuhören.

Willi Schlüter und Marie-Madeleine Krause bei der Premiere von „Walzer ins Nirgendwo“
Willi Schlüter und Marie-Madeleine Krause bei der Premiere · Foto: Christine Jochem, Hannover

INHALT

Eine Begegnung im Nirgendwo

Alexander hat bei einem Bombenalarm seine fünfjährige Enkelin Tanja aus den Augen verloren. Ihre Mutter ist vermutlich bereits im Krieg umgekommen. Rastlos sucht er nach dem Kind und trifft auf Lotta, die sich mit ihrer Gitarre und ihrem Gepäck in einen verlassenen Zwischenraum zurückgezogen hat.

Lotta ist schwanger. Ihr Freund wurde eingezogen, ihr Vater ist trotz seines Alters in den Krieg gezogen, und sie weiß nicht, ob ihr Kind in dieser zerstörten Welt eine Zukunft haben kann. Alexander und Lotta begegnen sich zunächst mit Misstrauen und Härte. Doch während die Einschläge näher kommen, erzählen sie einander von den Menschen, die sie lieben und vielleicht verloren haben.

Aus dem Streit wird ein Gespräch über Angst, Pazifismus, Verantwortung und Freiheit. Schließlich tanzen die beiden einen Walzer: nicht um den Krieg zu vergessen, sondern als stillen Widerstand gegen den Krieg in ihren Köpfen.

FIGUREN

Zwei Generationen, dieselbe Angst

Alexander ist siebzig, überzeugter Pazifist und Großvater. Doch der Krieg zwingt ihn zu der Frage, ob er andere für seine Freiheit kämpfen lässt, während er selbst nicht töten will.

Lotta steht am Anfang ihres Erwachsenenlebens und trägt ein Kind in sich. Ihre Verzweiflung ist radikal, zugleich bewahrt sie in Musik, Erinnerung und Zuneigung eine Möglichkeit von Zukunft.

ENTSTEHUNG

Geschrieben unter dem Eindruck des Krieges

Antonio Umberto Riccò begann kurz nach Ausbruch des Krieges mit der Arbeit an dem Stück. Eigene Erinnerungen an Kiew und Odessa sowie Nachrichten von Freunden aus Kiew flossen in den Text ein. Der Schauplatz bleibt bewusst unbestimmt: Das „Nirgendwo“ kann überall dort liegen, wo Krieg plötzlich in ein bisher friedliches Leben einbricht.

Die Uraufführung fand am 14. Mai 2022 im Theater in der List in Hannover statt. Im selben Jahr wurde das Stück dreißigmal an unterschiedlichen Orten in Niedersachsen gespielt.

PRODUKTION

Das Team

Text: Antonio Umberto Riccò
Mit: Marie-Madeleine Krause und Willi Schlüter
Inszenierung: Willi Schlüter und Antonio Umberto Riccò
Mitarbeit: Sabine Mech
Produktion: Theater in der List, Hannover

Das Theaterprojekt wurde 2022 von der Niedersächsischen Lotto-Sport-Stiftung und dem Niedersächsischen Sparkassen- und Giroverband gefördert. 2023 unterstützte die Region Hannover weitere Vorstellungen.

THEMEN

Dem Frieden eine Chance geben

Walzer ins Nirgendwo fragt nicht nach einfachen Antworten. Das Stück zeigt Menschen, die gleichzeitig mutig und schwach, hoffnungsvoll und verzweifelt sein können. Es handelt von der Verantwortung gegenüber kommenden Generationen – und von der Kraft, sich selbst inmitten der Gewalt einen Rest Menschlichkeit zu bewahren.

LESEPROBE

„Tanzen gegen den Krieg in unseren Köpfen“

Lotta erzählt von ihrem Vater, seinem Akkordeon und einem versprochenen Hochzeitstanz. Alexander nimmt ihre Hand – und für einen Augenblick entsteht mitten im Krieg ein anderer Raum.

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