Ein Morgen vor Lampedusa


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Gegen das Vergessen

Anfang Oktober 2013 stand auch ich unter dem Eindruck der Ereignisse, die sich vor Lampedusa abgespielt hatten: Ein Fischerboot mit weit über 500 Geflüchteten an Bord war ganz in der Nähe der Insel gekentert, 368 Menschen ertranken.

Es gab auch vorher ähnliche Tragödien im Mittelmeer, aber nie so nah der Küste und nie mit so vielen Toten.

Ich befasste mich sehr intensiv mit dem, was geschehen war: Aus der italienischen und internationalen Presse rekonstruierte ich so gut wie möglich die Tragödie, identifizierte mehrere Zeugen und nahm mit ihnen Kontakt auf. Mein Ziel war, die Tragödie nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, und ich wollte deswegen irgendendetwas unternehmen. Aber was?

Die szenische Lesung

Schließlich schlug ich einer kleinen Gruppe von Freunden und Bekannten  ein Theaterprojekt in Form einer szenischen Lesung vor. Diese Entscheidung beruhte auf Erfahrungen, die ich in den Jahren zuvor gemacht hatte („Tariqs Auftrag“ und „C’era in Germania un Girasole“). Sie war geeignet die Kosten sehr in Grenzen zu halten, da der Text vorgelesen werden sollte. Dafür reichten einige Sprecherinnen und Sprecher aus.

Lesung in der Marktkirche: mit (von links) Jochen Gerner, Christine Gerner, Rüdiger Hofmeister, Sigrid Jahnel, Arne Bostermann
und Francesco Impastato.

Francesco Impastato – Sizilianer, Musiker und Sänger – erklärte sofort seine Bereitschaft die Musik der Lesung zu komponieren. Der Verein „Archivio Storico Lampedusa“ lieferte viele Bilder. Der „Spielkreis Theater der Matthias Kirche Hannover“ stellte zehn Sprecherinnen und Sprecher zur Verfügung. Und wir fanden sehr schnell mehrere Förderer, die die unvermeidbaren Kosten der Lesung übernahmen.

Im März 2014 startete endlich das Projekt. Die Vorpremiere fand im Haus der Hauptverwaltung der IG BCE in Hannover statt, die Premiere in der Cumberlandschen Galerie des Schauspielhauses Hannover. Zehn Lesungen wollten wir dann in Hannover und Umgebung präsentieren.

Die Premiere in der Cumberlandsche Galerie am 30.3.2014

Anders als erwartet

Was dann geschah hatte ich wirklich nicht erwartet: Schon bei der Premiere wurden wir gefragt, ob die Lesung an anderen Orten stattfinden könnte. Da wir aber nicht überall hinreisen konnten, schlug ich vor, dass die Interessenten die Veranstaltung selbst organisieren sollten. Wir würden helfen und sämtliche nötigen Materialien (Skripten, Musik, Bilder) zur Verfügung stellen.

Folgendes, was in den fünf Jahren passiert ist, können Sie hier lesen:

Bis heute (23.09.2020) fanden 368 Lesungen mit ca. 34.450 ZuschauerInnen statt. Sie wurden von unserer Arbeitsgruppe und bundesweit von 589 Schulen, Vereinen, Kirchengemeinden, Städten und Gemeinden, Gewerkschaften, Parteien usw. veranstaltet.

Über 1345 Sprecherinnen und Sprecher haben den Text der Lesung vorgetragen. 308 Technikerinnen und Techniker haben bei den Lesungen mitgewirkt.

Bei den Veranstaltungen wurden 93.715,29 € von den Zuschauern gespendet. In diesem Betrag sind auch 2.930,90 € aus dem Verkauf von 553 CDs enthalten, die von der Firma Girafe Music & Publishing gespendet wurden. Damit war es möglich die Arbeit von 247 Flüchtlingsorganisationen und -Projekten finanziell zu unterstützen.

„Schneeballeffekt“

Die szenische Lesung kann auch heute von interessierten Schulen, Kirchengemeinden und Vereinen veranstaltet werden. Wir werben nicht für das Projekt, aber dank des „Schneeballeffekts“ werden wir immer wieder von neuen Partnern gefragt, ob wir sie unterstützen können.

Mit ihnen schließen wir eine Vereinbarung ab und eine neue Veranstaltung entsteht. Wie das geht, sehen Sie auf der Website der Arbeitsgruppe „Unser Herz schlägt auf Lampedusa“ : www.lampedusa-hannover.de

Förderer

Seit 2017 wird das Projekt nicht mehr finanziell unterstützt, aber bis dahin haben folgende Partner das Projekt ermöglicht und dafür bin ich ihnen sehr dankbar.

2014 förderten finanziell das Projekt:

Außerdem wurde die Lesung aktiv unterstützt von

und auf verschiedene Weise von diesen weiteren Partnern

Auch 2015 erhielt die Lesung Hilfe von denselben Organisationen. Dazu kam auch

Im selben Jahr starteten wir das Schulprojekt, das drei Jahre lief. Finanzielle Förderung erhielten wir von