SZENISCHE LESUNG / THEATERMONOLOG
Das Boot ist voll!
Vito Fiorino und sieben Freunde retteten am 3. Oktober 2013 vor Lampedusa 47 Menschen aus dem Meer. Die szenische Lesung erzählt von einer Nacht, die alles veränderte – und von Verantwortung, Trauma und Menschlichkeit.
INHALT
Eine Rettung – und die Fragen danach
In der Nacht zum 3. Oktober 2013 liegt Vito Fiorino mit sieben Freunden auf seinem Boot, der Gamar, vor Lampedusa. Kurz vor Sonnenaufgang hören sie Rufe auf dem Meer. Zwischen den Wellen treiben Menschen, erschöpft und mit Öl und Benzin bedeckt. Das Fischerboot, das sie aus Libyen gebracht hat, ist gesunken.
Die acht Freunde ziehen einen Menschen nach dem anderen an Bord. Am Ende befinden sich 55 Menschen auf dem kleinen Boot: die acht Retter und 47 Überlebende. Während unmittelbar vor ihnen weitere Menschen sterben, müssen sie Entscheidungen treffen, die sie nie wieder loslassen werden.
Die Lesung folgt Vitos Erinnerung an diese Nacht. Sie zeigt ihn nicht als makellosen Helden, sondern als einen Menschen mit Widersprüchen, Vorurteilen, Wut und Mitgefühl. Gerade darin liegt die zentrale Frage des Stückes: Was tun wir, wenn Wegsehen keine Möglichkeit mehr ist?
DIE HEUTIGE FASSUNG
Drei Stimmen auf der Bühne
Die aktuelle Fassung von 2026 ist als szenische Lesung für drei Sprecher*innen angelegt: Vito erzählt selbst; zwei weitere Stimmen führen durch die Ereignisse, ergänzen Perspektiven und geben den Erinnerungen einen dokumentarischen Rahmen.
Die szenische Lesung ist die aktuell präsentierte Bühnenfassung und wurde bislang viermal öffentlich aufgeführt. Daneben steht auch die frühere Monologfassung weiterhin zur Verfügung und kann auf Anfrage angefordert werden.
ENTSTEHUNG
Vom Monolog zur szenischen Lesung
Das Boot ist voll! entstand zunächst 2017 in Zusammenarbeit mit dem Theater in der List als Theatermonolog. Willi Schlüter verkörperte Vito Fiorino; die Premiere fand am 6. April 2018 statt. Bis September 2023 wurde diese Fassung 97-mal gespielt.
Für die neue szenische Lesung wurde das Material grundlegend neu gefasst. Die Erzählung bleibt eng bei Vito Fiorino, öffnet sich aber durch die beiden erzählenden Stimmen für zusätzliche Zusammenhänge und Fragen. So verbindet die heutige Fassung persönliche Erinnerung, dokumentarische Erfahrung und eine unmittelbare Ansprache des Publikums.
THEMEN
Kein Heiliger. Ein Mensch.
Das Stück handelt von Zivilcourage und Verantwortung, aber ebenso von Schuldgefühlen, Überforderung und den Spuren, die eine Rettung bei allen Beteiligten hinterlässt. Es fragt, wie aus einem Fremden ein Gegenüber wird – und was Menschlichkeit in einem Augenblick bedeutet, in dem jede Entscheidung über Leben und Tod bestimmen kann.
LESEPROBE
„Ein Chor der Verzweifelten lag über dem Meer“
Ein Ausschnitt aus der aktuellen Fassung für drei Sprecher*innen: Die Menschen auf der Gamar hören Stimmen auf dem Meer und begreifen, dass sie sofort handeln müssen.
AUFFÜHRUNG
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Aufführungen
Bisherige Veranstaltungen
99 Aufführungen haben bereits stattgefunden.
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